Wechselnde Ambitionen, nicht Leim auf Chefsesseln

von Elisabeth Michel-Alder

Zufällige Begegnung mit einem prominenten Mann im Bergdorf. Er grüsst, erkundigt sich nach meinem geschäftlichen Wohlergehen wie nach der Resonanz von Silberfuchs und erklärt sich mit ironischem Unterton als vogelfrei, nachdem er am 70. Geburtstag neulich sein letztes Verwaltungsratspräsidium losgeworden sei.

Viele Aktiengesellschaften und Stiftungsräte kennen reglementarische Altersguillotinen. Dieser Fall bringt mich ins Grübeln; die Regel macht bei Herrn W. keinen Sinn. Er hat seine Aufgabe und Rolle kompetent, uneitel, mit Schwung und überzeugend erfüllt.

Generelle Altersgrenzen gehören - so mein Schluss - auf den Schrotthaufen; persönliche Erneuerung auf Führungsetagen aber ist prima. Erstens sollen die Plätze auf dem Sonnendeck auch jüngeren Generationen zugänglich sein; Dynamik auf Karriereleitern fördert persönliche Chancen und organisatorische Vorteile. Zweitens zeigt sich bei personellen Wechseln regelmässig, dass ein frischer Blick auf Verhältnisse den Fokus auf unterbelichtete Themen lenkt, Verschiebungen auf der Werteskala zu neuen Problemlösungen anregen und die Gesichter im Kreis der besonders Eingeweihten wechseln. Für gewisse Zeit wächst die Beweglichkeit der Organisation. Amtszeitbeschränkungen sind also ganz gewiss okay.

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