Jahrgang als Stolperstein

von Elisabeth Michel-Alder

Das Mandat einer NGO neulich: Moderation des Auswahlverfahrens für eine neue Geschäftsführung. Den drei aussichtsreichsten Bewerbenden will der Vostand selbst auf den Zahn fühlen. Nach heissen, bohrenden, schonungslosen Interviews ist man sich einig: Herr X entspricht den Vorstellungen fast perfekt. Zeit, den Schleier über den Personaldaten zu lüften. Und der Topkandidat fällt in Sekundenschnelle vom Sockel: Niemand, tatsächlich keiner will den 58Jährigen wählen. Zu alt. Unglaublich.

Seither engagiere ich mich für sogenannt "anonyme" Bewerbungsverfahren, also Selektionsprozesse ohne Angaben von Alter, Geschlecht und Herkunft. Bis zur Vertragsunterschrift. Dafür mit präzisen Informationen zu Vorerfahrungen und nachweislichen Leistungen. In Belgien zum Beispiel rekrutiert die öffentliche Hand nur mit solchen Methoden. Und schöpft das Arbeitskräftepotential optimal aus - unter Umgehung leider lebendiger Stereotypen.

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