Fokus und Formulierung

von Elisabeth Michel-Alder

Nach der 49. erfolglosen Bewerbung verlangt Frau Sch. (52, Fachhochschulabschluss, 3 Kinder, seit 20 Jahren Nebenjobs, jetzt nach einem Ortswechsel bereit für ein Vollpensum) klaren Wein: Warum gibt ihr niemand eine Chance?

Ihr Lebenslauf ist reich und bunt; sie ist stolz auf ihren fast unbegrenzten Interessenshorizont. Projekte hat sie gemanagt, für Zeitungen geschrieben, diverse Heil- und Therapiepraktiken an die Frau gebracht, Sozialeinsätze geleistet, kommunale Kinderbetreuung mit organisiert usw. In welchem Feld sich die nächste berufliche Etappe abspielen sollte, welche Aufgaben sie mit Engagement und Köpfchen anpacken will, bleibt im Nebel. Welche "Instrumente" und Talente in ihrem Werkzeugkasten für neue Einsätze bereitliegen, lässt sie nicht wissen. Wo und wie findet ein Arbeitsplatz-Vergeber, eine Vergeberin, in der farbigen Mischung einen Anknüpfungspunkt?

Frau Sch. sollte es dem Gegenüber nicht allzu schwer machen und muss konkret beschreiben, was sie sehr gern und damit auch gut macht. Begriffe wie Kreativität, Empathie und Analyse transportieren wenig Inhalt. Aufschluss geben praktische Tätigkeiten, Problemlösungen und Handlungen. Vollbrachte Taten. Der Knopf muss eine klare Gestalt aufweisen, damit Rekrutierende einschätzen können, ob er zum Knopfloch passt. 

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